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Diese Gebäude sollen ein sichtbarer Leuchtturm sein

Romana Höftberger und Thomas Berger über neue Möglichkeiten für die Präzisionsmedizin, kreative Forschung und den Wert wissenschaftlicher Zusammenarbeit

Die richtige Diagnose zum richtigen Zeitpunkt für die richtige Person, gezieltere Therapien und neue Erkenntnisse über neurologische Erkrankungen: Im neuen Center for Precision Medicine (CPM) der MedUni Wien entstehen dafür ganz neue Möglichkeiten. Romana Höftberger und Thomas Berger erklären, warum modernste Labore, der Zugriff auf gemeinsame Technologien und vor allem der Austausch zwischen den Forschenden die Medizin voranbringen.

 

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Mehr Platz für medizinische Forschung, modernste Ausstattung und neue Wege der Zusammenarbeit: Für Romana Höftberger und Thomas Berger ist der Einzug in das Center for Precision Medicine (CPM) mit großen Erwartungen verbunden. „Die größte Freude ist mehr Forschungsfläche“, bringt Berger, Leiter der Universitätsklinik für Neurologie, einen wesentlichen Vorteil auf den Punkt. Für Höftberger, Leiterin der Abteilung für Neuropathologie und Neurochemie, geht es dabei nicht allein um zusätzliche Quadratmeter: „Nun können wir in Laborräumlichkeiten übersiedeln, die modernst ausgestattet sind, wo unsere Forscherinnen und Forscher ihren Experimenten und ihrer Kreativität freien Lauf lassen können.“

Im Mittelpunkt steht ein medizinischer Ansatz, der immer stärker auf die individuellen Merkmale von Erkrankungen eingeht. „Präzisionsmedizin bedeutet, die richtige Diagnose für den richtigen Patienten, die richtige Patientin zum richtigen Zeitpunkt zu stellen“, erklärt Höftberger. Gerade bei neurologischen Erkrankungen ist es entscheidend, Krankheitsprozesse möglichst genau zu verstehen, um Diagnosen zu verfeinern und Behandlungen gezielter einsetzen zu können.

Dafür bietet das CPM neue Chancen. Neben modernsten Analysegeräten spielen auch die erweiterten Lagerkapazitäten der Biobank eine wichtige Rolle. „Durch die neuen Forschungsflächen, durch die neuen Geräte, die wir dort zur Verfügung gestellt bekommen und vor allem auch durch die Lagerflächen in unserer Biobank wird es möglich sein, systematisch eine Vielzahl von Proben zu analysieren“, sagt Höftberger. Mit diesen neuen Methoden sollen auch die Diagnoseverfahren weiter optimiert und verfeinert werden.

„Diese Gebäude werden sicher auch ein Magnet sein, international gesehen und junge Forscher und Forscherinnen aus aller Welt anlocken.“

Romana Höftberger Abteilung für Neuropathologie und Neurochemie

Die gewonnenen Erkenntnisse können weit über die Diagnosestellung hinausreichen. Höftberger sieht darin die Chance, Krankheitsverläufe künftig besser einzuschätzen und mögliche Rückfälle frühzeitiger zu erkennen. „Das wird es uns ermöglichen, einerseits die Prognose abzuschätzen und vielleicht sogar Rezidive vorherzusagen.“ Damit verbindet sich ein konkreter Nutzen für die medizinische Versorgung: Patient:innen könnten früher behandelt und Therapien besser auf den jeweiligen Krankheitsverlauf abgestimmt werden. Die Fortschritte sollen dabei nicht auf den Forschungsstandort beschränkt bleiben. „Davon profitieren nicht nur in Wien, nicht nur in Österreich, sondern weltweit Patientinnen und Patienten“, betont Berger.

Ein weiterer Vorteil liegt in der gemeinsamen Nutzung hochspezialisierter Technologien. Viele der benötigten Geräte sind aufwendig und kostspielig. Werden sie von unterschiedlichen Forschungsgruppen gemeinsam verwendet, profitieren mehrere Disziplinen von derselben Infrastruktur. „Diese Geräte sind natürlich alle sehr teuer, und es wird uns allen sehr viel nützen, wenn wir diese teuren Geräte gemeinsam benutzen können“, erklärt Höftberger.

Doch für Berger entsteht wissenschaftlicher Fortschritt nicht allein durch bessere technische Voraussetzungen. Mindestens ebenso wichtig sind Offenheit, Kreativität und der persönliche Austausch. „Die richtig guten Dinge passieren informell zwischen Tür und Angel beim Kaffee, wo sich jeder einfach über die Ideen und über die Sichtweisen oder vielleicht auch absurd klingende Ideen mit dem anderen austauscht“, sagt er. Gerade aus solchen ungeplanten Begegnungen könnten neue Forschungsansätze entstehen.

"Die richtig guten Dinge passieren informell zwischen Tür und Angel beim Kaffee, wo sich jeder einfach über die Ideen und über die Sichtweisen oder vielleicht auch absurd klingende Ideen mit dem anderen austauscht.“

Thomas Berger Universitätsklinik für Neurologie

Dazu gehört für Berger auch eine Wissenschaftskultur, die Experimente und Fehler zulässt. „Wissenschaft und wissenschaftliche Projekte sind permanent Trial-and-Error“, betont er. Wichtig sei, aus Fehlern zu lernen, anstatt sie immer wieder zu wiederholen. Kreative Ideen, ungewöhnliche Fragestellungen und die Bereitschaft, neue Wege auszuprobieren, sind für ihn wesentliche Voraussetzungen wissenschaftlicher Innovation. Dafür ist der Austausch untereinander entscheidend.

Die neuen Forschungsgebäude sollen aber nicht nur innerhalb der Universität neue Impulse setzen. Berger verbindet mit ihnen auch eine gesellschaftliche Botschaft. „Diese Gebäude sollen auch ein Leuchtturm sein, ein sichtbarer Leuchtturm“, sagt er. Gerade in Zeiten verbreiteter Wissenschaftsskepsis sei es wichtig, Forschung sichtbar und zugänglich zu machen. Wissenschaft dürfe nicht als etwas wahrgenommen werden, das ausschließlich im Verborgenen und hinter verschlossenen Türen stattfindet.

Auch international soll das CPM neue Perspektiven eröffnen. Höftberger ist überzeugt, dass die moderne Infrastruktur und die unmittelbare Verbindung von Forschung und klinischer Versorgung die Attraktivität des Standorts weiter steigern werden. „Diese Gebäude werden sicher auch ein Magnet sein, international gesehen, und junge Forscher und Forscherinnen aus aller Welt anlocken“, sagt sie. Besonders wertvoll sei die enge Verbindung von Theorie und Praxis: „Es gibt nichts Attraktiveres als die enge Zusammenarbeit zwischen Klinik und Forschung, denn dadurch können natürlich die besten Daten generiert werden.“